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Rottenburg am Neckar und Vorderösterreich |
Flussaufwärts des Neckars kommt hinter Stuttgart, der
Landeshauptstadt Baden-Württembergs, die
Universitätsstadt
Tübingen nach wenigen Kilometern
Kilchberg und die schöne
historisch interessante Römer- und Bischofsstadt
Rottenburg.
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Schwäbische Alb ... |
| Das Kapuzinertor |
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Rottenburg hat sich unter Erzherzog Albrecht VI von Habsburg (1418-1463), dem Bruder Kaiser Friedrichs III als Residenzort der "Vorlande" neben Freiburg (seit 1368 den Habsburgern unterstellt) ausgebildet. Albrechts Herrschaftsmittelpunkt war Freiburg.
Seit wann ist Rottenburg mit der Grafschaft Hohenberg eines der Zentren Vorderösterreichs?
Um 1240 heiratete Graf Rudolf von Habsburg (1273 König) die Gräfin Gertrud von Hohenberg, die spätere Königin Anna (gest. 1281). Das Schicksal Rottenburgs wurde mit dem der Habsburger endgültig 1381 mit dem Verkauf der Grafschaft Hohenberg an Herzog Leopold III von Österreich verknüpft.
1386 Schlacht von Sempach: Das Fußvolk der Eidgenossen besiegte grandios das Ritterheer Leopolds. (Dieser und seine Ritter fielen oder erlagen - unbeholfen in ihrer Rüstung, von Ihren Knappen verlassen - dem Hitzschlag.)
1414-1418 Konstanzer Konzil: Herzog Friedrich IV von Österreich verhalf dem abgesetzten Papst Johannes XXIII 1415 zur Flucht. Sigesmund (1433 Kaiser, Schwiegervater Albrecht des II von Österreich) verhängte über ihn die Reichsacht: Das von den Habsburgern aufgebaute Territorium in den "Vorlanden" zerfiel noch mehr. (Unter anderem: Der schwäbische Adel löste sich von Habsburg.) Friedrich wurde jedoch nicht völlig aus Südwestdeutschland verdrängt: Tirol und das Herrschaftsgebiet der Hohenberger (mit Rottenburg) sowie Freiburg, Gebiete im Elsaß und Burgau u.s.w. konnte Friedrich zurück erwerben.
Übrigens: Der erwähnte Albrecht II von Österreich wurde 1438 deutscher König. Die Habsburger behielten bis zum Ende des alten Reiches 1806 die Königswürde. Bis dahin gehörte Rottenburg zum Herrschaftsgebiet des königlich-kaiserlichen Doppeladlers. 1445 übertrug Kaiser Friedrich III Erzherzog Albrecht IV von Habsburg die Regentschaft in den "Vorlanden". Albrecht residierte in Freiburg, seine Gemahlin Mechthild bei ihrem Musenhof in Rottenburg.
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1527 (10 Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag)
wurde Michael Sattler in Rottenburg auf dem
Scheiterhaufen verbrannt, seine Frau Margaretha im
Neckar ertränkt.
Michael Sattler (geb.1490) war zuerst Prior des Benediktinerklosters St. Peter in der Nähe Freiburgs, dann Humanist und radikaler Reformator, Pazifist, Begründer der Rottenburger Täufergemeinde und wurde einer der führenden Köpfe des süddeutsch-schweizerischen Täufertums, bekannt als geistiger Urheber des Schleitheimer Täuferbekenntnisses, Insgesamt wurden in Rottenburg innerhalb von 10 Jahren 900 Täufer hingerichtet. |
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Gedenkstein und -Tafel für Michael und Margaretha
Sattler auf dem "Galgenfeld" vor Rottenburg. Die Initiative "Gedenken an Michael Sattler" wird getragen von der Ev. Kirchengemeinde Rottenburg, der AG Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, dem Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee, dem Mennonitischen Geschichtsverein, der Mennonitengemeinde Reutlingen und vom VdM. |
Schon 1301 wird eine Lateinschule in Rottenburg erwähnt. Ein Leiter dieser Schule war Jakob Mennel, der spätere kaiserliche Hofhistoriograph, der Kaiser Maximilian I im Jahre 1518 die berühmte "Fürstliche Chronik" überreichte. Ein Schüler der Lateinschule war der spätere Theologe Johann Eck, bekannt durch seine Streitgespräche mit Martin Luther. 1649 gründeten die Jesuiten ein Gymnasium und 1669 ein Lyzeum mit - dank des angeschlossenen Internats - 100 Schülern.
Sowohl die Lateinschule als auch das Jesuitenkolleg fiel 1773 den josephinischen Reformen zum Opfer.
Nach der Reformation: Vorderösterreich - und damit Rottenburg - bleiben oder sind wieder katholisch. Damit Einführung des heute gültigen gregorianischen Kalender am 15.10.1582. (Die Württemberger blieben noch über 90 Jahre beim alten Kalender mit dem Frühlingsanfang am 11. März statt am 21. März, obwohl Johannes Kepler schon 1597 dafür eintrat, aber sein Tübinger Lehrer Mästlin war dagegen. "Die Welt werde ja doch bald untergehen").
Nebenbei bemerkt: Im Rottenburger Diözesanmuseum findet man ein Kalenderwerk des Magisters Heinrich Soldn aus dem frühen 15. Jahrhundert. Der Kalenderforscher Karl Mütz aus Tübingen entdeckte, dass dieses Werk die gregorianische Kalenderreform vorwegnahm.
Dreißigjähriger Krieg und der Westfälische Friede...Auseinandersetzungen Habsburg mit dem Haus Bourbon (1648-1756)...die theresianische-josephinischen Reformen ...
Im 18. Jahrhundert war der Flickenteppich Vorderösterreich ein vorzüglich organisiertes Territorium (ca. 8500 qkm mit 400 000 Einwohner. Im Vergleich dazu Württemberg ca. 8000 qkm mit 650 000 Einwohner) mit Mittelpunkt Freiburg und weiteren Zentren: Konstanz, Villingen, Waldshut, Günzburg, Ehingen und Rottenburg.
Nach den napoleonischen Kriegen kam mit dem Frieden zu
Preßburg (26.12.1805) das katholische Rottenburg zu
"Luthers Spanien", wie man das stockprotestantische
Württemberg bis dahin nannte... (Heute herrscht in
Rottenburg ein ausgesprochen ökumenischer Geist.)
Nebenbei bemerkt: Rottenburg feierte dieses Eingliederung nie.
Nur Neuhausen auf den Fildern feierten. Aber sie waren kamen ja von Baden an Württemberg.
Das Chorherrenstifts St. Moriz, des Karmeliter- und des Kapuzinerklosters werden geschlossen.
Dafür baute nach dem Zuzug von meist evangelischen württembergischen Landesbeamten
(viele Vollzugsbeamten des neu errichteten Gefängnisses am Rande der Stadt)
die Obrigkeit 1856
für diese eine evangelische Kirche und ein Pfarrhaus.
8000 neue Gesetzte regelten den Alltag der württembergischen Untertanen und sorgten
für Eisenbahn(1861)-, Telegrafen-, Wasser und Elektrizitätsanschlüsse.
Dies war kurzgefasst die 425 Jahre Stadtgeschichte ab dem 26. Oktober 1381,
bei dem die Habsburger die Grafschaft Hohenberg kauften, bis zum Oktober 1806,
an dem die vorderösterreichische Ära mit der Einverleibung Rottenburgs
in das württembergische Königreich zu Ende ging.
Zur weiteren Entwicklung des württembergischen
Rottenburgs zum Sitz des katholischen württembergischen
Bischofs 1828 sowie zu Sumelocenna, dem römische
Rottenburg, und zu bedeutenden Persönlichkeiten siehe
folgende Links:
Der Sebastian-Blau-Weg in Rottenburg
von K.M.
Stadt Rottenburg am Neckar
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