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7. Lektion: Modulationen

Bei der reinen Stimmung sind folgende Tonschritte einzuhalten:

Dur-Tonleiter G G- H G G- G H Intervall
  9/8 10/9 16/15 9/8 10/9 9/8 16/15 Frequenzverhältnis
  204 182 112 204 182 204 112 Cent
Moll-Tonleiter1 G H G- G H G G- Intervall
  9/8 16/15 10/9 9/8 16/15 9/8 10/9 Frequenzverhältnis
  204 182 112 204 182 204 112 Cent
1) Hier ist die Molltonleiter im Sinne von "melodisch absteigend" aufgeführt, im Gegensatz zu "melodisch" oder "harmonisch aufsteigend".

Bezeichnung: G=204 Cent = großer Ganzton, G-= G - K = 182 Cent = kleiner Ganzton, wobei mit K = 22 Cent das syntonische Komma bezeichnet wird und mit H = 112 Cent der syntonische Halbton.

Die C-Dur Tonleiter hat also folgende Frequenzen:

c d e f g a h c' d' e' f' g' a' h' c'' d'' e'' f'' g'' a'' h'' c'''
132 148,5 165 176 198 220 247,5 264 297 330 352 396 440 495 528 594 660 704 792 880 990 1056


Die Frequenzverhältnisse entsprechen der Dur-Tonleiter, wie man durch Nachrechnen überprüfen kann:
148,5   9    165    9   176   16
————— = -,  ————— = ——, ——— = —— ...
 132    8   148,5   10  165   15


Vergleichen wir damit nun die Frequenzen von G-Dur (Modulation zur Dominante)
g' a' h' c'' d'' e'' fis'' g''
396 445,5 495 528 594 660 742,5 792


Wir sehen: f hat sich zu fis um einen Halbton, genauer um D = G - H = 92 Cent erhöht, aber auch a hat sich um ein syntonisches Komma K = 22 Cent erhöht. Im folgenden wird dieses a mit a+ bezeichnet. Häufig wird in Klammer noch d dazugeschrieben, also a+(d), um anzudeuten: Es handelt sich um eine Modulation in dominantische Richtung. Entsprechend wird bei der Modulation statt f der erhöhte Ton fis(D) mit D in Klammer geschrieben, um anzudeuten, dass sich der Ton wegen der Modulation in dominantischer Richtung um einen halben Ton erhöht hat.

Bezeichnung: d = Erhöhung um 22 Cent (a in a+ in dominatische Richtung). D = Erhöhung um 92 Cent (f in fis in dominantische Richtung.

Zusammenfassung:Obwohl Fis in der folgenden Melodie nicht vorkommt, klingt sie wegen des Tones a verschieden. In C-Dur hat a die Frequenz von 440Hz, in G-Dur die Frequenz von 445,5 Hz. Diese Melodie bestimmt also schon - unter dem Gesichtspunkt der reinen Stimmung - die Tonart, ohne dass das Fis erklingen muß.
1mel_inc.gif
1mel_ing.gif
1in_c.gif
1in_c.gif



Ähnlich sieht der Vergleich bei Modulation in die Subdominante aus.
f g a b c' d e f
176 198 220 234,7 264 293,3 330 352


Wir sehen: h hat sich um eine halben Ton G - H in b(S) und d um ein Komma in d-(s) erniedrigt.

Bezeichnung: s = Erniedrigung um 22 Cent (d in d- in subdominatische Richtung). S = Erniedrigung um 92 Cent (h in b in subdominantische Richtung.

Wir können die groben und feinen Änderungen bei der Modulation von C-Dur in G-Dur folgendermaßen eindeutig kennzeichnen. (Dies erledigt übrigens das Programm TTMusik).

C d e f g a h c Dur
G a+(d) h c d e fis(D) g Dur (eine Quinte höher)

(Damit werden die groben, im Notenbild sichtbaren, und die feinen, im Notenbild unsichtbaren, Änderungen eindeutig gekennzeichnet.

Hier noch die Modulation von C-Dur nach F-Dur.
C d e f g a h c Dur
F g a b(S) c d-(s) e f Dur (eine Quinte tiefer)


Wir können die Modulation in die Tonart "eine Quinte höher/tiefer" auch über zwei Modulationen "eine Terz höher oder tiefer" erreichen. Das sind dann jeweils die Tonarten der Moll- bzw. Durparallelen.
C d e f g a h c Dur C-Dur
e fis(D) g a h c d e moll (eine Terz höher) e-moll
G a+(d) h c d e fis(D) g Dur (eine Terz höher) G-Dur


C d e f g a h c Dur C-Dur
a h c d-(s) e f g a moll (eine Terz tiefer) a-moll
F g a b(S) c d-(s) e f Dur (eine Terz tiefer) F-Dur


Wir erkennen: Bei Modulation um eine Terz tiefer (C-Dur in a-moll) oder um eine Terz höher (C-Dur in e-moll) ändert sich genau ein Ton. Nochmals um eine Terz nach oben oder unten moduliert ergibt sich die Modulation in die Dominante bzw. Subdominante.

In diesem Sinne kann man Modulationen nach Stufen ordnen.
Hier ein Ausschnitt aus dem Kapitel Modulationen nach Stufen geordnet.

Modulation 1. Stufe Geänderte Töne  
C-Dur -> e-Moll f->fis(D) Übergang in die Paralleltonart (D=92 Cent:in Richtung Dominante)
c-Moll -> Es-Dur f->f+(d) Übergang in die Paralleltonart (d=22 Cent:in Richtung Dominante)
C-Dur -> a-Moll d->d-(s) Übergang in die Paralleltonart (s=-22Cent:in Richtung Subdominante)
c-Moll -> As-Dur d->des(S) Übergang in die Paralleltonart (S=-92 Cent:in Richtung Subdominante)
     Der Übergang zur Paralleltonart wird hier unter dem Gesichtspunkt der reinen Stimmung als "Modulation 1. Stufe" bezeichnet, weil sich genau ein Ton ändert.

In dieser Untersuchung ist es gleichgültig, ob sich die Änderung um einen Halbton oder um ein Komma bezieht.

Und deshalb gibt es auch nicht die Bezeichnung "Übergang in die Paralleltonart der Dominante". Sinnvoller ist dafür die Bezeichnung Übergang in die Paralleltonart in Richtung Dominante.

    (Genauer:
    D: um einen Halbton in Richtung Dominante.
    d: um ein syntonisches Komma in Richtung Dominante.)

Die Modulation 2. Stufe zur Dominante ist dann "dD" bzw. "Dd" und zur Subdominante "sS" bzw. "Ss" (siehe unten).


Im Kapitel Feinanalyse wird die "Mollparallele in Richtung Dominante" auch "dominantische Mollparallele" genant.

In den nächsten Tabellen erscheinen bei den "Übergängen" folgende Bezeichnungen für Modulationen und deren Hintereinanderausführungen. Dieses sind die Menüpunkte in TTMusik, um sich Tonleitern "ausrechnen" zu lassen.
T: Modulation 1. Stufe um eine Terz höher.
   Dur-Tonleiter in moll-Tonleiter: Große Terz.
   moll-Tonleiter in Dur-Tonleiter: Kleine Terz.

t: Modulation 1. Stufe um eine Terz tiefer.
   Dur-Tonleiter in moll-Tonleiter: kleine Terz.
   moll-Tonleiter in Dur-Tonleiter: große Terz.

Q=TT: Modulation 2. Stufe um eine Quinte höher (Zur Dominante).
q=tt: Modulation 2. Stufe um eine Quinte tiefer(Zur Subdominante).

m: Modulation von Dur in Moll und umgekehrt.
Modulationen 2. Stufe: Übergang Geänderte Töne
C-Dur -> G-Dur C e G(Q=TT) f->fis(D), a ->a+(d)
c-Moll -> g-Moll c Es g(Q=TT) f->f+(d), as->a(D)
C-Dur -> F-Dur C a F(q=tt) d->d-(s), h ->b(S)
c-Moll -> f-Moll c As f(q=tt) d->des(S), b ->b-(s)


Jetzt wird es spannend. Haben Sie sich nicht oft schon Gedanken gemacht, wie Sie die folgenen Modulationen einordnen sollen?

Modulationen 3. Stufe: Übergang geänderte Töne
C-Dur -> h-Moll C e h(TQ)=C G h(QT) c->cis(d), f->fis(D), a ->a+(d)
c-Moll -> B-Dur c Es B(TQ)=c g B(QT) c->c+(d), f->f+(d), as->a(D)
C-Dur -> (d-)-Moll C a d(tq)C F d(TQ) d->d-(d), g->g-(s), h->b(S)
c-Moll -> Des-Dur c As Des(tq)=c f Des(qt) d->des(S), g->ges(S), b->b-(s)
     
c-Moll -> C-Dur (m) es->e(Ds), as->a(Ds), b->h(Ds)
C-dur -> c-Moll (m) e->es(Sd), a->as(Sd), h->b(Sd)

Studieren wir diesem System die folgende Harmonisierung:
1mus_vom_himmel.gif


spiele auch gleichstufig
C d e f g a h c  Dur
e fis(D) g a h c d e  moll  (eine Terz höher)
   C d e f g a h c  Dur  (eine Terz tiefer)
F g a b(S) c d-(s) e f  Dur  (eine Quinte tiefer)
   C d e f g a h c  Dur  (eine Quinte höher)
   e fis(D) g a h c d e  moll  (eine Terz höher)
   (Eingerückt bedeutet: Übergang von F-Dur nach h-moll
h cis(D) d e fis(D) g a+(d) h  moll  (eine Quinte höher)
e fis(D) g a h c d e  moll  (eine Quinte tiefer)
   C d e f g a h c  Dur  (eine Terz tiefer)
   F g a b(S) c d-(s) e f  Dur  (eine Quinte tiefer)
B(S) c d-(s) es(S) f g-(s) a b(S)  Dur  (eine Quinte tiefer)
   F g a b(S) c d-(s) e f  Dur  (eine Quinte höher)
C d e f g a h c  Dur  (eine Quinte höher)


Man sieht: Die Melodie c h a h g a h c ("Vom Himmel hoch da komm ich her") ist dieselbe, als wäre sie in C-Dur harmonisiert, keine Komma geändert. Vergleicht man die übrigen Noten im Satz, dann sieht man, dass außer Dis und Es einzig im 3-letzten Akkord dd'a'h' die beiden d's um ein Komma zu d-(s) erniedrigt wurde.

Der Quintenzirkel in reiner Stimmung

Ausgehend von der reinen C-Dur-Tonleiter erfolgen folgende Tonhöhenverschiebungen.
Der Übersichtlichkeit gleiche Töne untereinander. Von Zeile zu Zeile ändert sich nur ein Ton um einen Halbton oder um ein syntonisches Komma.
Ces-Dur- ces- des- es- fes- ges- as- b- ces- des- es- fes- ges- as- b-
es-moll- ces- des- es- f- ges- as- b- ces- des- es- f- ges- as- b-
Ges-Dur- ces- des- es- f- ges- as b- ces- des- es- f- ges- as b-
b-moll- c- des- es- f- ges- as b- c- des- es- f- ges- as b-
Des-Dur- c- des- es f- ges- as b- c- des- es f- ges- as b-
f-moll- c- des- es f- g- as b- c- des- es f- g- as b-
As-Dur c- des- es f- g- as b c- des- es f- g- as b
c-moll- c- d- es f- g- as b c- d- es f- g- as b
Es-Dur c- d- es f g- as b c- d- es f g- as b
g-moll- c- d- es f g- a b c- d- es f g- a b
B-dur c d- es f g- a b c d- es f g- a b
d-moll- c d- e f g- a b c d- e f g- a b
F-Dur c d- e f g a b c d- e f g a b
a-moll c d- e f g a h c d- e f g a h
C-Dur c d e f g a h c d e f g a h
e-moll c d e fis g a h c d e fis g a h
G-Dur c d e fis g a+ h c d e fis g a+ h
h-moll cis d e fis g a+ h cis d e fis g a+ h
D-Dur cis d e+ fis g a+ h cis d e+ fis g a+ h
fis-moll cis d e+ fis gis a+ h cis d e+ fis gis a+ h
A-Dur+ cis d e+ fis gis a+ h+ cis d e+ fis gis a+ h+
cis-moll cis dis e+ fis gis a+ h+ cis dis e+ fis gis a+ h+
E-Dur+ cis dis e+ fis+ gis a+ h+ cis dis e+ fis+ gis a+ h+
gis-moll cis dis e+ fis+ gis ais+ h+ cis dis e+ fis+ gis ais+ h+
H-Dur+ cis+ dis e+ fis+ gis ais+ h+ cis+ dis e+ fis+ gis ais+ h+
dis-moll cis+ dis eis+ fis+ gis ais+ h+ cis+ dis eis+ fis+ gis ais+ h+
Fis-Dur+ cis+ dis eis+ fis+ gis+ ais+ h+ cis+ dis eis+ fis+ gis+ ais+ h+
ais-moll+ cis+ dis eis+ fis+ gis+ ais+ his+ cis+ dis eis+ fis+ gis+ ais+ his+
Cis-Dur+ cis+ dis+ eis+ fis+ gis+ ais+ his+ cis+ dis+ eis+ fis+ gis+ ais+ his+
Bezeichnungen: x+ und x-: Ton ist um ein syntonisches Komma höher bzw. tiefer.

Die angebenen Molltonarten sind natürlich Moll, im Gegensatz zu melodisch oder harmonisch Moll.
Chromatischer Halbton: (Veränderung von f in fis, c in cis usw. bzw von h in b, e in es u.s.w.): Frequenzverhältnis 135/128 entspricht 92,2 Cent.
Syntonisches Komma: Frequenzverhältnis 81/80 entspricht 21,5 Cent.

Eine Klaviatur mit 24 Tasten kann jede Tonart rein spielen

Wenn man die Töne, die nur 2 Cent auseinander liegen, mittelt.
Klaviatur für die reine Stimmung
Die zugrunde liegende Rechnung ist hier aufgezeigt (alles in Cent):
o=1200                      Oktave
q=1200*lb(3/2)=701,96       Quinte
t=1200*lb(5/4)=386,31       Terz
s=1200*lb(81/80)=21,51      syntonisches Komma
x=1200*lb(135/128)=92,18    chromatischer Halbton

c=0
d=2q-o=203,91
e=t=386,31
f=o-q=498,04
g=q=701,96
a=f+t=884,36
h=g+t=1088,27

d1=d-s=182,4   (d1 steht für d- u.s.w)
b=h-x=996,09
g1=g-s=680,45
es=e-x=294,13
c1=c+o-s=1178,49
as=a-x=792,18
f1=f-s=476,54
des1=d1-x=90,22
b1=b-s=974,58
ges1=g1-x=588,27
es1=es-s=272,63
ces1=c1-x=1086,31
as1=as-s=770,67
fes1=f1-x=384,36

fis=f+x=590,22
a2=a+s=905,87  (a2 steht für a+ u.s.w)
cis=c+x=92,18
e2=e+s=407,82
gis=g+x=794,13
h2=h+s=1109,78
dis=d+x=296,09
fis2=fis+s=611,73
ais2=a2+x=998,04
cis2=cis+s=113,69
eis2=e2+x=500
gis2=gis+s=815,64
his2=h2+x=1201,95
dis2=dis+s=317,6

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